In memoriam Jossif Gofenberg

Jossif Gofenberg, als „Klezmer-König von Berlin“ oder „Maestro des Klezmer“ bezeichnet, starb am 18. April 2022

Ulrich Eckhardt und Jossif Godesberg

1949 in Czernowitz (Ukraine) geboren, lebte Jossif Gofenberg seit 1990 in Berlin, und hat seitdem die Klezmermusik als Kunstform etabliert. Er war Dozent für jiddische Lieder an der Jüdischen Volkshochschule Berlin, Koordinator des Klezmer-Zentrums an der Musikschule „Fanny Hensel“, Gründer und Leiter des international bekannten Ensembles „Gofenberg & Chor”. Schon seit seiner Kindheit sammelte Jossif Gofenberg – angeregt durch seine Mutter – die jiddischen Lieder Osteuropas. Er hat diese Tradition in beharrlich engagierter und emphatischer Arbeit an die jüngeren Generationen weitergegeben. Im Jahr 2004 gründete er die deutschlandweit bekannte Klezmer-Gruppe „Klezmer chidesch“. Im Jahre 2013 hat das Land Berlin Jossif Gofenberg für sein Projekt „Gofenberg & Chor“ mit dem Integrationspreis ausgezeichnet; der Bundespräsident ehrte ihn mit dem Bundesverdienstkreuz für sein Wirken.

Jossif Gofenberg war ein gefragter Klezmer-Musiker und Akkordeon-Virtuose. Er wurde zu internationalen Klezmer-Festivals, unter anderem in Israel (1992), Paris (2005), Antwerpen (2007), Vilnius (2009/2010) und Szczecin (2012), eingeladen. Seit 2007 gab er Konzerte in vielen Jüdischen Gemeinden im Rahmen des Kulturprogramms des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auch als Musiker und Schauspieler in Filmen und Fernsehsendungen ist er bekannt geworden.

Das Ensemble „Gofenberg & Chor“ ist aus dem von Jossif Gofenberg seit dem Jahr 2000 geleiteten Liederkurs „Lomir ale zingen“ an der Volkshochschule der Jüdischen Gemeinde hervorgegangen. Mit seiner Arbeit hat der Chor viele Freunde in Berlin und deutschen Städten sowie im Ausland gewonnen und zum Verständnis der jiddischen Lieder beigetragen. Zu erinnerungsträchtigen Konzerten in jüngster Zeit gehören Auftritte in Sachsenhausen anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers und im Juni 2016 in der Cottbuser Synagoge, in der Philippus-Kirche in Friedenau zur Vorstellung einer neuen CD, bei den Bürgerfesten im Roten Rathaus und beim Bundespräsidenten, zum Holocaust-Gedenktag in Nikolassee sowie die denkwürdigen Konzerte zum Jahresabschluss in der Jesus -Christus-Kirche Dahlem am 31. Dezember 2017 (Synagoge und Schtetl –

Liturgische Musik und Klezmer) und im Mariendom zu Andernach am 9. Oktober 2021 (zu hören und sehen auf Youtube). 

Gofenbergs Musizieren folgte dem Leitmotiv „Der Seele eine Stimme geben“ – damit hat er die Zuhörer immer wieder begeistert und mit dieser ursprünglichen Musik vertraut gemacht.  Er hat auch ukrainische und russische Lieder ins Jiddische übersetzt und besaß die große Gabe, kleine Gesangsgruppen, junge Musikerinnen und Musiker, kleines und großes Publikum, zu bezaubern und anzuleiten – zum Singen und zum Tanzen.

Für ihn waren die jiddischen Lieder Lebensgeschichten voller Melancholie und Lebenslust mit ihren ewigen, universell gültigen Menschheitsthemen Liebesfreude und Liebesleid, Sehnsucht, Trennung, Schmerz, Tod …